Die Vorurteile zum Vor-Urteil

"Ich habe sicher keine Vorurteile" - "Wer Vorurteile hat, ist absolut daneben" - "Es ist doch nicht nötig Vorurteile zu haben" DBKS 170302 Mysterium G4 Claudia

Genau das haben Sie sicher auch schon gehört - Stimmt das? Nein, behaupte ich - ein jeder Mensch hat Vorurteile! Vorurteile gehören dazu - Vorurteile entstehen durch Erfahrungen des Lebens, durch Ängste und nicht zuletzt auch vom Hörensagen. An und für sich, sind Vor-Urteile nötig um sich durchs Leben zu bewegen, doch es bleibt ein Vor-Urteil, setzt man sich nicht damit auseinander und lernt Unbekanntes oder unbekannte Situationen nicht neu zu beurteilen.

"Mache dich von deinen Vorurteilen los, und du bist gerettet."*

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, es bedarf eines Aufwandes zu hinterfragen ob ein Vor-Urteil richtig oder falsch ist. Grundsätzlich ist zu hinterfragen, was zum Vor-Urteil führte, zu prüfen weshalb dieses Vor-Urteil entstand - nicht selten ist es eine Furcht vor Unbekanntem, eine anerzogene Meinung, eine Meinung die durch hören Sagen gebildet wurde und die ohne Hinterfragung übernommen wurde. Dies kann beispielsweise einer Religion entsprungen sein, der elterlichen Erziehung, einem gesellschaftlichen Clichées oder schlicht eben aus Unwissenheit.

Kleines Beispiel: ein sehr guter Freund schrieb mir in einer Mail (als ich ihn 2011 aufklärte): "Andy, wenn Du dann wieder Männerkleider trägst, können wir dann wieder zusammen etwas unternehmen." Aussagen wie diese, zeigen klar welche Voruteile ein solcher "Freund" hat - statt mal abzuwarten um Claudia eben in der Version 2.0 kennen zu lernen, geht er vom Clichée der Gesellschaft aus, dass beispielsweise Homosexualität und Transsexualität ab der Norm und verwerflich sind. Immer wieder werden Meschen genau mit solchen Meinungen vor den Kopf gestossen, was früher die alleinstehenden Frauen mit Kindern waren, trifft heute auf breiter Front auf homosexuelle und transsexuelle Menschen zu und Nein, Frauen wie ich sind keine Männer ohne Penis, Transmänner keine Frauen ohne Brüste. Lehrer sind nicht grundsätzlich pädophil veranlagt, katholische Pfarrer nicht grundsätzlich schwul, Bergbauern nicht einfach mal verschlossen und engstirnig und Nonnen nicht einfach Freudlos. Es kommt sehr wohl auf den Menschen an! Warum also lernen wir diese Menschen und deren Charaktere mal ganz ohne Vor-Urteil kennen und bilden uns danach eine Meinung? 

Helfen Sie mit, dass aus Vor-Urteilen ein symbiotisches Miteinander möglich ist.

 

 

*Marc Aurel
(121 - 180), römischer Kaiser und Philosoph, hieß bei Geburt Marcus Annius Catilius Severus; später Marcus Annius Verus; nach Adoption durch Kaiser Hadrianus: Marcus Aelius Aurelius Verus und nach Adoption durch Kaiser Antoninus Pius und als Kaiser: Marcus Aurelius Antoninus Augustus