Transographie

Auch transnormal ist ganz normal.Claudia023

Wird die Transsexualität heute stilisiert?

Ja, bei Gewissen und in gewisser Hinsicht sehe ich tatsächlich so: man bekommt nahezu den Eindruck als transsexueller Mensch hätte man gefälligst stolz zu sein, eben anders als 99.7% der Menschheit zu sein. Stolz zu sein „zwischen den Geschlechter“ leben zu können (oder eben zu müssen). Stolz zu sein, moité-moité wie ein Fribourger Käsefondue zu sein – oft wird die Transsexualität als mögliche „Normvariante des Geschlechts“ dargestellt, also als „3. Geschlecht“ - Ja, all zu vieles wird unnötig stilisiert, so meine Meinung gar als Betroffene – leider, muss ich anfügen. Komisch werden Sie denken, wenn Sie all die Berichte über Claudia Sabine Meier lesen - stimmt’s?

Dazu möchte ich gerne ein paar Worte erläutern:  Ich bin nicht stolz transsexuell zu sein, ich vermisse es, je ganz biologisch Frau sein zu können. Dennoch bin ich stolz oder besser gesagt glücklich, einen Weg näher zum gefühlten „Ich“ gefunden zu haben, das soll die Welt wissen… Diese Entwicklung dauerte nahezu 40 Jahre, es war ein langer, einsamer, gefährlicher und harter Weg! In der Tat ist ein guter Teil des Lösungsweges über gute, einmalige Gespräche bei meiner Psychotherapeutin (wohl gemerkt: Psychotherapeuten, nicht Psychologen die können und dürfen das m.W. nicht…) gelaufen. Psychotherapeutin? Ja, dies meine ich effektiv, denn wo wäre ich, hätte ich nicht um psychologische Hilfe ersucht?  Niemals hätte ich mich dem Hausarzt einem „nicht Spezialisten“ anvertraut, viel zu nahe bei mir zu Hause, viel zu riskant für mein Gefühl sich bei ihm zu outen…

Was nun wenn jedoch die Transsexualität eine Normvariante des Geschlechts darstellt?

Dann dürfte wohl keiner mehr es als sinnvoll erachten, dass eine Psychotherapie, eine Begleitung oder eben Coaching für Betroffene nützlich und hilfreich wäre. Wenn also die Transsexualität keiner Begleitung bedarf, weil eben nicht krank oder gestört: so stellt sich die Frage, wer dann für die Kosten der Betroffenen aufkommen wird – wird dann die Transition eine Möglichkeit der Upper-Class, der wirtschaftlich Bevorzugten? Viel wichtiger jedoch erscheint mir der Aspekt, wer die Triage machen wird? Wer hält jene davon ab, die nur gerade mal die Idee haben „schnell mal“ im anderen Geschlecht leben zu wollen und dann zu spät merken, dass es ein Fehler war?

Ja ich bin der Meinung, es braucht die psychotherapeutische Begleitung

Und/oder eine psychiatrische grundlegende Abklärung oder Unterstützung. Wie lange diese jedoch dauert bis zur Diagnosestellung, denke ich, soll individuell betrachtet werden und nicht an eine gewisse Frist geknüpft werden. So kann auch der individuelle Weg des einzelnen Individuums respektiert werden, die psychologische Begleitung erachte ich als Sicherheit, als Netz für den Notfall, als Rückversicherung. Ich sehe ansonsten erhebliche Probleme auf alle Transmenschen zukommen, denn plötzlich schlägt die gesellschaftliche Meinung um, wenn die Probleme überhand nehmen und es heisst: der Kollateralschaden der wirklich effektiv Transsexuellen ist kleiner, als der durch fehlgeleitete Individuen die plötzlich merken: „es war falsch, ich habe mich geirrt“. Dies weil diese eben nicht vom Netz der seriösen, psychotherapeutische Abklärung erfasst wurden… Dies wäre dann das grundlegende Aus, jemals eine Transition machen zu können  – ja ich weiss etwas schwarz gemalt aber betrachtet man die Wiederholungen der Geschichte und der Gesellschaft, ist es eine absolute Option: denn z.B.  Homosexualität war bei den Römern gar hoch angesehen und im Mittelalter dann wieder bei Tode verboten, bis man heute wieder erkannte, dass es keine Krankheit ist…

Ich betrachte mich einfach als „transnormal“…