Back to the army

Claudia090

Ich bin Pazifistin – ich lebe jedoch im "Hier und Heute" – Pazifismus bedeutet nicht keine Waffe zu tragen, sondern dafür zu sorgen, dass keine Seite die Waffen einsetzt – es ist die realistische und zeitgemässe Variante als laut zu rufen: kein Krieg, kein Militär, keine Gewalt – dafür sind die Menschen halt einfach nicht gemacht - leider!

 

Irgendwann Ende der Achtziger und Neunziger gab' es einen Rekruten Meier, einen Truppenkoch, damals hiess es noch Kochgehilfe. Bald merkte Rekrut Meier wie wichtig sein Einsatz in der Küche war, wie sehr, das gute Essen von den Kameraden geschätzt wurde - so wurde daraus bald mal ein Korporal Küchenchef, welcher den sogenannten Vorschlag zum Fourier als Einheitsrechnungsführer bekam.

 

Ich entschied mich im Oktober 2013 einen friedensfördernden, -erhaltenden Einsatz leisten zu wollen - ein Wunsch den ich seit 1991 hatte - damals sass ich in der Fourierschule in Bern - unsere Klasse hatte einen Vortrag der Swissint über diese sog. PSO-Einsätze - damals war der Kosovo noch längst nicht aktuell, es betraf die Westsahara, wo die Schweizer Armee einen entsprechenden Posten unterhalten hat.

Als junger Mensch war ich von dem Bericht derart überwältigt, auf eine gute Art Menschen helfen zu können, dass ich entschied einen Einsatz leisten zu wollen - beruflich bedingt jedoch war es mir nicht möglich, einfach (damals) ein oder zwei Jahre weg zu bleiben - so setzte ich heute als Claudia diesen Wunsch um.

Auch wenn es wegen der Nosologie Militaris 2560 (zwingend Untauglich) wirklich nicht einfach war, wieder dienstfähig zu werden, so bekam ich die Chance. Die Armee kam mir sozusagen 50% entgegen und ich der Armee mit 50% des Weges aufeinander zu, indem ich bereit war, auch eine Anstellung der unteren Chargen zu übernehmen. Im Nachhinein betrachtet war es gut, somit hatte ich auch die Gelegenheit eine Anstellung aus anderer Perspektive zu betrachten, als von jener die ich es die letzten, fast zwei Dutzend Jahre gewohnt war.

Klar die Gesellschaft hat leider noch immer oft die Meinung, dass Menschen wie wir, als gestört gelten - uns daher mit Vorurteilen statt unseren Qualifikationen betrachten.

Das Stigma der Nosologie Militaris, gestört zu gelten, tut natürlich einem gesunden Menschen, sehr weh, zumal ich ja schon einmal als diensttauglich galt und meine Diensttage als Fourier bis 2004 ohne zu murren leistete - damals hatte ich "das Problem" eigentlich noch... Nun tatsächlich, wo das Problem gelöst ist, soll ich plötzlich untauglich sein? Also dort wo operiert wurde, denke ich bestimmt nicht, auch wenn der Volksmund dies behauptet, dass ein Penis denken könne - ich jedenfalls konnte es nie...

Umso mehr freute ich mich, als ich direkt im Anschluss an den Einsatz, von der Armee ein Angebot bekam, in der Schweiz eine neue Herausforderung mit entsprechender Verantwortung übernehmen zu dürfen - es zeigt klar, dass ein Umdenken im Gange ist. Der Kopf ist Rund, damit das Denken die Richtung ändern kann...

Die Chance der Armee mich beweisen zu können erfüllt mich natürlich auch mit etwas Stolz - Ich diene gerne als lange es zu Gunsten Dritter und zum Wohle aller ist - ein kleiner Beitrag an die Gesellschaft, ein kleiner Schritt für eine Pazifistin für mich - in der Hoffnung auf ein bisschen mehr Friede in der Welt.

Die Schweizer Illustrierte über meinen Kosovo-Einsatz

14 REN 913318 REN 936817 REN 929713 REN 908909 REN 872707 REN 868805 REN 865806 REN 867301 REN 853002 REN 853503 REN 859404 REN 8602